Wer bekommt die Rundfunkbeiträge?

Die Beiträge erhalten die Rundfunkanstalten, also die neun in der ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio.

Eingezogen werden die Beiträge durch den gemeinsamen „Beitragsservice“ (auch bekannt als GEZ, siehe unten). Gläubiger und damit wirtschaftlicher Empfänger ist aber die jeweilige Rundfunkanstalt, also nicht der Beitragsservice.

Ist der Rundfunkbeitrag eine Steuer?

Das wird teilweise so gesehen, das Bundesverwaltungsgericht (Az. 6 C 6.15) hat es jedoch anders entscheiden. Der Beitrag wird nämlich nicht ohne jede Gegenleistung erhoben wie eine Steuer, sondern für die Möglichkeit des Rundfunkempfangs. Zudem fließt der Beitrag nicht in den Landeshaushalt, sondern kommt direkt der Rundfunkanstalt zugute. Daher handelt es sich um eine sog. nicht-steuerliche Abgabe. Für den zahlungspflichtigen Bürger macht das natürlich keinen Unterschied.

War es nicht so, dass die Rundfunkanstalten keine Haftbefehle mehr beantragen wollten?

Ja, dies wurde im Zuge der negativen PR rund um die Inhaftierung von Sieglinde Baumert angekündigt. (Bericht im Tagesspiegel vom 16. September 2016) Tatsächlich scheinen sich die Anstalten (bzw. der für sie handelnde Beitragsservice) aber nicht wirklich daran zu halten. Man sieht immer wieder Schreiben, in denen ein Haftbefehl zumindest angedroht wird.

Im Vollstreckungsverfahren weiß der Gläubiger (hier also die Rundfunkanstalt) oft nicht, welche Vermögenswerte der Schuldner (hier der vermeintlich Beitragspflichtige) hat und wie er dementsprechend vollstrecken soll. Daher kann er verlangen, dass der Schuldner sein komplettes Vermögen offenlegt (Vermögensauskunft, früher eidesstattliche Versicherung, noch früher Offenbarungseid). Kommt der Schuldner dem nicht nach, kann er inhaftiert werden, bis er die Auskunft erteilt. Der Haftbefehl dient also der Erzwingung der Vermögensauskunft.

Wie jede Zwangsvollstreckungsmaßnahme findet er nur auf Antrag des Gläubigers statt. Die Rundfunkanstalt hätte er hier also in der Hand, diese allerletzte Maßnahme nicht zu beantragen. Dass es trotzdem noch Haftbefehle geben soll, lässt den Schluss zu, dass dies dennoch passiert. Das ursprüngliche Versprechen wird also anscheinend nicht gehalten.

Gilt das Verwaltungsverfahrensgesetz für die Rundfunkanstalten?

Die Landesrundfunkanstalten sind in vielen Ländern aus dem Anwendungsbereich des jeweiligen Verwaltungsverfahrensgesetzes ausgenommen. In folgenden Ländern gilt das jeweilige Landes-Verwaltungsverfahrensgesetz nicht, weil es im jeweiligen Artikel bzw. § des Gesetzes so steht:

  • Baden-Württemberg (SWR): § 2 Abs. 1 VwVfG BW
  • Bayern (BR): Art. 2 Abs. 1 Satz 2 BayVwVfG
  • Berlin (RBB): § 2 Abs. 4 VwVfG BE
  • Bremen (RB): § 2 Abs. 1 Nr. 2 BremVwVfG
  • Hamburg (NDR): § 2 Abs. 1 Satz 2 HmbVwVfG
  • Hessen (HR): § 2 Abs. 1 HVwVfG
  • Nordrhein-Westfalen (WDR): § 2 Abs. 1 VwVfG NRW
  • Saarland (SR): § 2 Abs. 1 SVwVfG
  • Sachsen (MDR): § 2 Abs. 3 SächsVwVfG
  • Sachsen-Anhalt (MDR): § 2 Abs. 1 VwVfG LSA
  • Thüringen (MDR): § 2 Abs. 1 ThürVwVfG

Noch nicht ganz geklärt ist aber, ob dieser Ausschluss nur im Rahmen der Programmgestaltung oder auch hinsichtlich der reinen Verwaltungstätigkeit (z.B. Beitragserhebung) gilt. Außerdem stellt sich die Frage, nach welchen Regeln die Verwaltung dann erfolgen würde.

Keine ausdrückliche Regelung findet sich dagegen in folgenden Ländern:

  • Brandenburg (RBB)
  • Mecklenburg-Vorpommern (NDR)
  • Niedersachsen (NDR)
  • Rheinland-Pfalz (SWR)
  • Schleswig-Holstein (NDR)

Wenn die Rundfunkanstalt keine Behörde ist, darf sie dann trotzdem Verwaltungsakte erlassen?

Das Landgericht Tübingen hat in mehreren Entscheidungen (5 T 232/16, 5 T 280/16) bestritten, dass es sich bei den Rundfunkanstalten um Behörden handelt. Diese seien nach ihrer Gesamtausrichtung vielmehr Unternehmen.

Auch, wenn sich diese Ansicht durchsetzt, bedeutet das aber noch nicht, dass diese Unternehmen keine Verwaltungsakte erlassen dürfen. Denn die Befugnis dazu (§ 35 VwVfG des Bundes und der Länder) liegt nicht nur bei Behörden im formellen und materiellen Sinne, sondern auch bei Beliehenen.

Da diese Beliehenen auch Staatsaufgaben wahrnehmen, handeln sie in der behördentypischen Weise. Dies kann also auch ein Verwaltungsakt sein, wenn dessen Definition erfüllt ist.

Darf der Beitragsservice Festsetzungsbescheide erlassen?

Jein. Der BS darf, so gesehen, gar nichts, weil er selbst keine Behörde, kein Beliehener und nicht einmal rechtsfähig ist. Er handelt aber nicht für sich selbst, sondern als Organ der Landesrundfunkanstalt. Diese ist jedenfalls (sogar, wenn man dem LG Tübingen folgt) eine Behörde im Sinne des jeweiligen Verwaltungsverfahrensgesetzes. Sofern klar ist, dass der BS hier nur verlängerter Arm einer bestimmten Landesrundfunkanstalt ist, kann er auch Verwaltungsakte erlassen.

Kann ich einen negativen Schufa-Eintrag bekommen, wenn ich mit den Rundfunkbeiträgen im Rückstand bin?

data-858360_640Grundsätzlich nein.

Die Schufa ist eine private Wirtschaftsauskunftei, ihr Register ist kein offizielles oder gar staatliches Verzeichnis. Ein Schufa-Eintrag setzt prinzipiell voraus, dass der Betroffene eine sogenannte Schufa-Klausel unterschrieben hat, die es dem Vertragspartner (z.B. einer Bank oder einem Versandhändler) erlaubt, die Daten an die Schufa zu übermitteln. Eine solche Klausel hat man gegenüber dem Beitragsservice oder der Rundfunkanstalt aber nicht unterschrieben, da man ja gar keinen Vertrag schließt.

Allerdings kann es über einen Umweg doch zu einem Eintrag bei der Schufa kommen:

Denn in das Schuldnerverzeichnis des Amtsgericht (das man nicht mit dem Schufa-Register verwechseln darf) werden gemäß § 882c ZPO Personen eingetragen, die

  • die Vermögensauskunft (früher eidesstattliche Versicherung, Offenbarungseid) nicht abgeben,
  • nach den Angaben in der Vermögensauskunft offensichtlich überschuldet sind oder
  • nach Abgabe der Vermögensauskunft nicht innerhalb eines Monats die Befriedigung des Gläubigers nachweisen.

Die Einträge im Schuldnerverzeichnis liest die Schufa zumindest teilweise aus und trägt sie in ihr eigenes Register ein. Damit entsteht also nicht nur ein Eintrag im Schuldnerverzeichnis, sondern auch in der Schufa. Dafür müssen aber eben die hohen Voraussetzungen des § 882c vorliegen, bloßes Nichtbezahlen auf Mahnungen oder eine erfolgreiche Zwangsvollstreckung reichen also gerade nicht aus.

Ob diese Übernahme durch die Schufa zulässig ist, ist rechtlich umstritten.

Gibt es den Begriff „Festsetzungsbescheid“ überhaupt?

Dieser Begriff kommt in § 10 Abs. 5 Satz 2 des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags vor und definiert offensichtlich das, was in Satz 1 der Vorschrift steht: Die Bescheide, mit denen rückständige Rundfunkbeiträge festgesetzt werden.

Tatsächlich gibt es diesen Begriff im sonstigen öffentlichen Recht – soweit ersichtlich – nicht. Es handelt sich also um eine Erfindung des Rundfunkrechts.

Allerdings ist die Bezeichnung völlig unerheblich. Man könnte den Bescheid auch, wie sonst üblich, als Leistungsbescheid bezeichnen.

Das Entscheidende ist, dass es sich um einen Verwaltungsakt handelt, der eine bestimmte Zahlungspflicht festsetzt. Er tituliert eine Forderung des Staates und kann damit die Grundlage eines Vollstreckungsverfahrens sein.

Ich habe gegen den Beitragsbescheid Widerspruch eingelegt, dieser wurde zurückgewiesen. Muss ich jetzt wirklich klagen?

Der Staat kann seine Forderungen selbst titulieren, indem er diese per Verwaltungsakt feststellt (bspw. Art. 23 des bayerischen VwZVG, ähnliche Regelungen gibt es in allen Ländern). Ein gerichtlicher Titel (Vollstreckungsbescheid, Urteil) ist – im Gegensatz zum Zivilrecht – nicht notwendig.

Dies versetzt die Behörden in die komfortable Situation, dass sie nur einen entsprechenden Bescheid rausschicken müssen und es dann am Betroffenen liegt, dagegen das Gericht anzurufen. Der im Zivilrecht durchaus zutreffende Grundsatz „Wer etwas von mir möchte, muss mich verklagen“ ist hier also in sein Gegenteil verkehrt worden.

Hat man das Widerspruchsverfahren erfolglos durchlaufen, steht tatsächlich nur noch die Möglichkeit der Klage offen.

Dies wäre nur dann anders zu sehen, wenn die Rundfunkanstalt tatsächlich keine Behörde wäre. Diese Ansicht wird aber, soweit ersichtlich, derzeit nur durch das Landgericht Tübingen vertreten; eine Entscheidung durch den BGH ist in den nächsten Wochen zu erwarten.